BUCHBESPRECHUNG
Donauschwäbinnen
Frauenschicksal aus der Wojwodina nach 1941
Hrsg. Nadec Radovic, Dobrila Sindelic und Vesna Weiss
Donauschwäbisches Kulturzentrum
Haus der Donauschwaben Salzburg
2010
ISBN 978-3-901378-28-7
"Dieses Buch hat nicht die Absicht, die seinerzeitigen Auffassungen den tatsächlichen Begebenheiten gegenüberzustellen, um die historischen Tatsachen zu berichtigen. Das Buch ist von der Absicht getragen, um das aufzuzeichnen, was sich mit jenen Frauen begeben hat, die ihr Leben neben uns verbracht haben, und wie sie es durch gestanden haben, abgestempelt mit dem Stigma einer Kollektivschuld zu leben." Mit diesem Worten analysiert Nadec Radovic eine der zahlreichen Grundintentionen zu diesem Buch, dem eine soziologische Untersuchung zugrunde liegt. Die drei Autorinnen sind Schriftstellerinnen und stellten sich zur Aufgabe, Frauenschicksal aus der Wojwodina in den Kriegsjahren nach der militärischen Zerschlagung Jugoslawiens von 1941 zu beschreiben. Es sind letztlich zwölf Frauenschicksale, die im Buch vorgestellt werden. Bei den Vorbereitungen machten die Autorinnen eine interessante Entdeckung: Sie stießen auf Donauschwäbinnen, die nach dem Krieg und der Vertreibung in der Wojwodina verbleiben sind. Ihr Schicksal umrahmt die zwölf vorgestellten Frauenschicksale. Sie handeln von der Not in der Nachkriegszeit und den vielen Demütigungen, die sie als Donauschwäbinnen in der Wojwodina im Staat der Partisanen erleiden mussten. Es sind authentische Lebensberichte aus der früheren Volksrepublik Jugoslawien, voll gefüllt mit Erinnerungen, persönlichen Erfahrungen, Enttäuschungen, Traumata, Erwartungen und den oft unscheinbaren kleinen Lebensfreunden, die ihnen das Schicksal als Heimatverbliebene so spärlich zu bieten hatte.
Das Buch ist eine wertvolle Quelle. Es dokumentiert den Alltag von Frauen, deren donauschwäbische Identität eine Herausforderung war in einem Land, in dem lange das Motto galt: "Ich hasse dich als wärst du ein Deutscher." Und gerade deshalb ist dieses Buch wichtig. Es ist ein Beleg für die oft unbemerkten, unscheinbaren kleinen Schritte zur historischen Aufarbeitung, ohne die hasserfüllte Stereotype, primitive Klischees und ideologisch manipulierte Rechtsfertigungsthesen ungefiltert Bestand haben und sich in dieser grässlichen Gestalt in die Zukunft retten. Für die Betroffenen stand folgendes Motiv im Vordergrund, endlich das Schweigen über das Leiden zu brechen: "Ich bin bereit. Ich muss das erzählen. Es ist wichtig. Lange habe ich darauf gewartet."
Peter Wassertheurer