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Bundesvorsitzender: Dipl.-Ing. Rudolf Reimann
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Steingasse 25
A-1030 Wien

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Wien, 26.08.2007

reimann.jpg (6261 Byte) Fragen an den Obmann der DAG, Dipl.Ing. Rudolf Reimann, zu 100 Jahre Wiener Schwabenverein
  1. Was fällt Ihnen als Vorsitzender der DAG zum Jubiläum "100 Jahre Wiener Schwabenverein" spontan ein?
  2. Zunächst darf ich als Obmann der DAG dem Wiener Schwabenverein meine persönlichen Glückwünsche zu diesem Jubiläum übermitteln. 100 Jahre sind ein würdiger Anlass, um meinen Landsleuten Dank zu sagen für die großartigen Leistungen, die hier in Wien seit 1907 vollbracht wurden. Was damals noch unter dem würdigen Zepter der Habsburger begann, fand nach dem Zweiten Weltkrieg unter gänzlich anderen Vorzeichen eine Fortsetzung, die bis heute anhält. Es war der Wille, sich den neuen Herausforderungen zu stellen, sich in die österreichische Nachkriegsgesellschaft zu integrieren und diesem wunderbaren Land mit ganzer Kraft zur Verfügung zu stehen. Der Wiener Schwabenverein und mit ihm die ganze Gemeinschaft der Donauschwaben haben sich der Republik Österreich gegenüber als würdige und fleißige Staatsbürger erwiesen, die sich das österreichische Heimatrecht und alle damit verbundenen Rechte redlich erarbeitet haben. Dass sich die Donauschwaben auch über ihre Pflichten als österreichische Staatsbürger bewusst waren und bis heute danach leben, muss ich hier nicht extra betonen. Das war für uns immer eine Selbstverständlichkeit.

  3. Wie würden Sie die Geschichte der Donauschwaben in Wien mit wenigen Worten charakterisieren?
  4. Der Wiener Schwabenverein, der die Nachfolge des 1907 gegründeten "Vereins der Banater Schwaben in Wien" antrat, hat in seiner Geschichte eine Reihe an großen Männern und Frauen hervorgebracht. Mit ihnen gemeinsam waren die Donauschwaben in Wien bemüht, das kulturelle Erbe der Heimat zu pflegen, das wirtschaftliche Leben in Wien zu stärken und sich sozial zu engagieren. Ich erinnere dabei an die vielen Wiener Kinder, die nach dem Ersten Weltkrieg zu unseren Bauern ins Banat geschickt wurden, um sie vor dem Hunger zu schützen. Ich denke auch an die Hilfsbereitschaft, die nach 1945 das Zusammenleben der Donauschwaben in Wien bestimmte. Nur unter dem gemeinsamen Dach war es möglich, dass wir Donauschwaben das werden konnten, was wir heute sind. Unsere Geschichte in Wien war nach 1945 keine einfache, aber es waren unsere gemeinsamen donauschwäbischen Traditionen, die uns in der Gemeinschaft die nötige Kraft für die Zukunft gaben.

  5. Sie haben die Integration der Donauschwaben in Österreich miterlebt. Wie würden Sie diese beschreiben?
  6. Die Integration der Donauschwaben in Österreich war natürlich von den anfänglichen Schwierigkeiten gekennzeichnet. Dazu gehörten die Wohnungsnot, die triste Lage am österreichischen Arbeitsmarkt, die Frage der Staatsbürgerschaft und das soziale Elend. Freilich muss man berücksichtigen, dass Österreich selbst als ein vom Krieg zerstörtes Land kaum die notwendigen Mittel besaß, um die Donauschwaben ausreichend zu versorgen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Landsleute versuchte, in Deutschland, Frankreich oder in Übersee eine bessere Zukunft zu finden. Die Probleme der Anfangsjahre konnten aber bewältigt werden und schon zu Beginn der 1950er Jahre spürte man eine Erholung. In dieser Phase suchte die DAG den Kontakt zu den österreichischen Regierungsstellen, um Maßnahmen zur Integration der Donauschwaben einzufordern. Und das ist uns auch im Bereich der Wirtschaft, der Bildung, der Sozialpolitik und des Arbeitsmarktes gelungen. Ich glaube, dass Österreich seine Bereitschaft, uns Donauschwaben zu helfen, bis heute nicht bereuen musste.

  7. Die DAG gilt als der politische Arm der Donauschwaben. Was unterscheidet die Arbeit der DAG vom Vereinsleben der Donauschwaben?
  8. Die DAG wurde 1948 als politisches Instrument der Donauschwaben gegründet, um eine Vertretung einzurichten, die sich vor allem mit Rechtsfragen beschäftigte. Immerhin ging es in den ersten Jahren um die Gleichstellung der Donauschwaben in allen wichtigen gesellschaftlichen Teilbereichen Österreichs. Mit der Gründung der DAG waren Organisationen wie der Wiener Schwabenverein in der Lage, sich mit voller Kraft auf die kulturellen Aufgabe zu konzentrieren und konnten sich politisch den Rücken frei halten, was dem Vereinsleben förderlich war.

  9. Wie würden Sie die Zukunft der Donauschwaben in Österreich beschreiben?
  10. in den letzten Jahren haben sich mit dem Zerfall der kommunistischen Regime in Europa neue Möglichkeiten eröffnet, die auch für den wiener Schwabenverein von großer Bedeutung sind. In Österreich wird ein "Haus der Geschichte" errichtet werden, das allen Segmenten der österreichischen Gesellschaft Platz bieten wird. In einem solchen "Haus der Geschichte" soll auch die Geschichte der Donauschwaben in Österreich dokumentiert werden. Das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat einen Unterrichtsfilm hergestellt, der unter dem Titel "Geschichte der deutschen Volksgruppen in Südosteuropa" die Geschichte der Donauschwaben behandelt. In Zusammenhang mit dieser Dokumentation konnte mit dem Ministerium vereinbart werden, dass aus unseren Reihen Zeitzeugen in Schulen über das Schicksal der Donauschwaben erzählen können. Alle diese Initiativen zeigen, dass es in Österreich ein Interesse für unsere Geschichte gibt. Wir sollten die Zukunft nutzen, um der österreichischen Bevölkerung über uns, über unsere Kultur, unser Gemeinwesen und unsere Traditionen zu berichten.

  11. Angenommen Sie hätten drei Wünsche offen. Was würden Sie dem Wiener Schwabenverein wünschen?
    Ich wünsche dem Wiener Schwabenverein Geschlossenheit im Inneren, Gerechtigkeit und weitere 100 Jahre.
wassertheurer.jpg (2248 Byte) Mag. Dr. Wassertheurer Peter

Pressesprecher
Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft
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